Lonely Porn

Wednesday, July 7th, 2010 | climbing, travel | 4 Comments

Und schon wieder so ein verwirrender Titel. Es geht ja eigentlich um einen Klettertrip nach Lander, Wyoming, was per Definition recht wenig mit Porn gemeinsam hat. Dieser wundersame Titel entstammt, zur Erklärung, einer Diskussion am Lagerfeuer über tolle Routennamen; Besagter ist bis dato mein Favorit, deshalb.

Wieder ein Kletterausflug also, schön, tolle Landschaften, perfektes Wetter, gute Freunde, und so weiter. Und elf Stunden Autofahrt natürlich; Die Interstate I-80 und ich, wir rufen und mittlerweile beim Vornamen. Go West! Aber, liebe Leute, dieser Eintrag hat einen anderen Hintergrund. Dieses Mal geht es um eine, meine, “all-American experience“. Es wird eine Herausforderung, diese adäquat in Worte zu fassen. Vorher aber wie immer ein paar tolle Bildchen:

Man muss also wissen, dass der 4. Juli der US-amerikanische Nationalfeiertag ist. Independence Day, der Stolz der Nation, die Unabhängigkeit von Großbritannien seit 1776 in der heiligen Declaration of Independence festgehalten. Großes Ding. Nun war ich pyrotechnikaffiner Ausländer anfangs etwas enttäuscht, das angeblich tolle Feuerwerk in Omaha gegen eine Nacht in der Wildnis zu tauschen; Zu unrecht, wie sich herausstellen sollte. So beschloss das Rudel, nach einem ereignisreichen Klettertag und Bratwürsten doch aus unserem Camp raus und in das nächstgelegene Städtchen, Lander, zu pilgern und das Feuerwerk zu bestaunen.

Bei Dämmerungsanbruch waren die Straßen bereits mit überdimensionierten Pick-Up Trucks zugepflastert, wohin man auch blickt, ebenfalls überdimensionierte Amerikaner in Klappstühlen, der Geruch und das Bruzzeln von Grillfleisch omnipräsent. Wir schließen uns der Masse an und nehmen schließlich ganz oben auf einer großen Wiese mit Blick über ganz Lander Platz. Unter uns das halbe Dorf, geschätzte tausend Lander’er, mit Decken, mehr Klappstühlen und Chips. Die Show, die geboten wird, zauberte mir ein dauerhaftes Schmunzeln auf die Lippen: Aus den Boxen dröhnt eine hoch-theatralische Ausführung des amerikanischen Dramas hin zur Unabhängigkeit, ausgedehnt auf eine gute Stunde. Ausgeführt meist in Dialogform, mit (natürlich) Orginalzitaten von leidenden Zeitzeugen. Hinterlegt mit einer Hintergrundmusik, die mit ihrer Dramatik und Kitsch selbst einer Rosamunde Pilcher einen Schüttelfrost besorgen würde. Und jedes Mal, wenn von einem Kanonenschuss die Rede war, stieg ein riesiger Feuerball gen’ Himmel und erwärmte die Herzen. An Highlights und Kämpfen wurde die Erzählung durch kurzes Feuerwerk unterbrochen, um die Zuschauer noch mehr mitzureisen. Patriotismus auf einem neuen, ungesehenen Niveau. Die Krönung dann natürlich am Schluss, zur Unterzeichnung der Declaration of Independence – eine Feuerwerksshow, die ohne mit der Wimper zu zucken mit dem Innsbrucker Bergsylvester mithalten kann. Wenig erstaunlich? Lander, Wyoming, hat 6867 Einwohner.

Am nächsten Abend folgte dann der nächste kulturelle Höhepunkt, Rodeo! Der Eintritt allein war es schon wert, die Rodeo-Fans anstatt der Pferde zu bestaunen. Die Dichte an Bierbäuchen und Zahnlücken war schier spektakulär. “Howdy!”, Pferderennen, Bullriding und eine Disziplin, in der eine Gruppe ein junges (ooch so süßes!) Kälbchen mit dem Lasso fangen und fesseln muss. Und das alles im Cowboy-State Wyoming – authentischer hätte es wohl nicht sein können. Und zur Draufgabe, weil es so schön war, nochmals ein 20 Minute Feuerwerk. Uh ja! America, Land Of The Free. Ich traue mich, ein großes Fragezeichen hinter diesen Schwur zu setzten. Und wenn man darüber nachdenkt, dann ist der Titel ja doch sehr passend.

Schlaflos in Seattle

Friday, June 25th, 2010 | travel | 5 Comments

Was für ein schlechter Titel. Seattle ja, aber geschlafen habe ich dort trotzdem. Zudem habe ich noch nicht mal den Film gesehen. Ist das denn zu fassen? Zur Entschädigung gibt es dafür ein paar supertolle Fotos, hier:

Warum Seattle? Ist ja doch ganz nett weit weg. Mein ex-roomie vom letzten Semester, Gediminas der Litauer [im Bild, links der Banane], verkaufte seine Seele an Microsoft (oder vielmehr, wurde gekauft) und darf ab nun in Seattle statt Omaha hausen (upgrade!). Mit von der Partie auch Chris der Ami [im Bild, rechts der Banane], und zusammen halfen wir Geddy, sich einzuleben und umzuziehen, IKEA Möbel zusammenpuzzeln inklusive. Das machen wir demnach mit viel Routine und somit blieb auch noch genügend Zeit, die Stadt zu erkunden.

Diese kann sich auch durchaus empfehlen, hat Berge sowohl als auch Ozeane und leider viel zu viele Autos. Spaß gemacht hat’s trotzdem, und gekrönt wurde der Ausflug von der Fluglinie united.com, die unseren Heimflug massiv verspäten lies und wir Armen deshalb für den nächsten Tag umbuchen mussten. Ich so, innerlich: “Yea, Samstagabend in Seattle!”; äußerlich: “Can you imagine what I’ve to go through?! I’ll miss an important meeting just because of that!!”. Die Tränen halfen mir schlussendlich einen 400$ Gutschein über meinen 401$ Flug zu ergattern => für 1$ nach Seattle und zurück. I Like.

Slighty Left in 374 Miles

Thursday, June 3rd, 2010 | climbing, travel | 1 Comment

Ewig kann man in Omaha nun wirklich nicht verweilen; Der übliche Ausweg: Roadtrip! So waren wir uns einig, und die Regeln des Spiels: Jeder der beteiligten Abenteurer darf seine/ihre Lieblingsdestination auf ein Zettelchen kritzeln, dann wird gezogen. Aus einem Hut, selbstverständlich. Und die (afro-amerikanische) Glücksfee entschied:

Missouri!

Ab in den Süüden. Der Masterplan: kein Plan! Einfach alle ins Auto (okey, Van) stecken und los düßen. Super, ne? Irgendwann gegen 4:30 a.m. machten wir dann doch für ein paar Stunden Schlaf am Wegesrand halt, dann weiter in die Tiefen der Ozarks. Oh ja, der Süden also. Am nächsten Morgen wurde uns dann klar, dass wir doch eventuell Lebensmittel einkaufen sollten; Und ernsthaft, eine Ansammlung von drei verrottenden Wohnwägen (“Trailerpark”) hat hier unten einen Ortsnamen. Eine Stunde Suchen und mit dem letzten Tropfen Benzin dann doch endlich, ein Supermarkt! Gerettet, vorerst. Konföderationsflaggen (ja, das waren die mit den Sklaven), mehr Kirchen (oder ähnliches) als Häuser, Kaffee für 50 Cent. Oh ja, der Süden also. Nach diesen aufschlussreichen Erfahrungen: Wild campen nebs Klippen und dem Current River, am nächsten Tag dann kayak-Action.

Und was das alles und im speziellen Autofahren so toll ist, nach einem Tag Omaha diesmal Aufbruch Richtung Westen. “Slightly left in 374 Miles”, verlautete das Navi, 16h one-way drive; Ziel:

Utah!

Seth hat mich also tatsächlich überredet, mit ihm (und Eric und Dave und Josh) eine Woche die Wüste nach Steinen zu durchkämmen (LOL, Spaceballs anyone?). Joes Valley nennen sie “one of America’s best” Boulderdestinationen, dies sollte sich bewahrheiten. Noch viel schöner: Eine Woche kein Handy, keine Laptop, kein Internet, keine Toilette, keine Dusche. Ist eben doch ein bisschen abgelegen, das Tälchen. Aber immerhin hatten wir einen Fluss, gefühlte Wassertemperatur knapp aber doch über dem Gefrierpunkt. Na, immerhin, die Biere blieben schön kühl.

Am Rückweg gab’s dann noch eine Bouldersession near Moab und ein Déjà-vu (von vor zwei Jahren) mit dem Sonnenaufgang in den atemberaubenden Arches National Park. Danach: 16h im Auto. Welcome to America!

Two and a half Dogs

Thursday, May 6th, 2010 | general, study | 2 Comments

Dieses Jahr wohne ich also “off-campus”. Dies ist vom Blickwinkel der Erwachsenheit ein großer Vorteil. Ich darf jetzt sogar Bier auf meinem Zimmer lagern und eine Kerze anzünden. Solch neuen Freiheiten sind herrlich. Rick hat neben seinen drei Hunden also noch einen vierten (und ganz wilden) adoptiert und lässt mich bei sich im Haus wohnen. Turned out, dass wir hier in einem sehr noblen Viertel von Oh!maha hausen und der Pool im Garten wird bestimmt auch noch seine Vorteile zollen.
Nachdem die ersten Wochen im Zeichen des “Oh my God! Can’t believe you’re back!”-Bieres standen kehrt jetzt so langsam Alltag ein. Amerikanischer Alltag. Ertappe mich immer öfter beim artikulieren der Phrase “Who are you doing’?”. Erschreckend. Ansonsten wird an der Diplomarbeit und den SILOs (Details folgen!) gebastelt. Ein Fahrrad habe ich nun auch (wieder) – Nummer Eins wurde mir nach rekordverdächtigen zehn Minuten vor dem Supermarkt geklaut. Zehn Minuten, erster Tag, Rad weg. Man glaubt es kaum …

Ich mag Hunde ja gern, aber … drei … wie lästig müssen denn erst Kinder sein? Und immer diese mitleidvollen Augen, sobald man etwas (auch vollkommen egal was) isst. Ach. Vor allem denen von Grace, dem Golden Retriever (mein Liebling, weil ständig komplett stoned wirkend) ist schwer standzuhalten (vergleiche hierzu Abbildung 4). Aber vielleicht gewöhnt man sich an das Gebelle in der Früh ja so wie an den Zug, der seit Jahren am Haus vorbeifährt. Nur werde ich wahrscheinlich wieder abreisen, sobald es soweit ist.
“Och Mensch, der hat vielleicht Sorgen!”, werden nun einige einwerfen. Ja, das ist richtig, und deshalb hier das Fazit: Alles GUT! Abgesehen vom Dollarkurs.

Colorado Rocks

Friday, April 23rd, 2010 | climbing, study, travel | 2 Comments

Der Jetlag war also gerade überstanden, da hieß es gleich wieder “auf in eine andere Zeitzone”, Mountain Time (Zone)! Vier Tage Colorado und jede Menge Abenteuer in den Rockies standen an. Abfahrt also Donnerstag Nachmittag, Ankunft gewohnter Weise Freitag, 3 a.m. In der Ferne hörte man noch vereinzelte Studenten feiern, doch wir gönnten uns ein paar wohlverdiente Stunden Schönheitsschlaf im Auto (brrr …). Multiple Kaffees am nächsten Früh-Morgen sorgten dann für die nötige Motivation, die imposanten Flatirons vor Boulder im trad-Style durchzuklettern. Hätte man auch durchaus solo machen können … ach, das nächste Mal.

Gegen Abend noch etwas Sportklettern um uns richtig hungrig zu machen und dann auf zu Paul’s. Dort war dann Treffpunkt mit den anderen Dudes, das Fleisch (orcanic!) saftig und der Wein vorzüglich. Irgendwann fanden dann doch alle (zehn Leute!) ihren Schlafplatz am Parkettboden. Nächster Tag Sportklettern & Bouldern in Flagstaff, super Stein. Gleiches Programm dann wieder am Abend, daran gab’s auch wirklich nichts auszusetzen. Am Sonntag war uns dann endlich die Sonne Freund und es ging ab in den berühmt-berüchtigten Eldorado Canyon, wo wir die zwei trad-super-classics Yellowspur & Greenspur punkten konnten. Zitter. Sonntag, um unsere Finger vollends zu zerstören, zum Ausklang eine Bouldersession in der geliebten Sonne. Und ja, neun Stunden Rückfahrt.

Fett.

Monday, April 12th, 2010 | study, travel | No Comments

So, da wären wir mal wieder, in Omaha. Irgendwie hat mich niemand vor dem rapiden und unerwarteten Sommereinbruch gewarnt, von Schnee in München direkt zu 28° in Omaha. Nice. Außerdem, be aware, nach 27 Stunden ohne Schlaf kann ein Bier ganz schön weh tun.

Was mir dieses Mal, sei es Zufall oder schärfere Wahrnehmung, aufgefallen ist: Es gibt wirklich verdammt viele dicke Leute. Überall, allerdings auch kaum zu übersehen. Das mag jetzt vielleicht diskriminierend oder menschenverachtend sein, egal, die Wahrheit, und die gehört einfach mal gesagt.

Morgen werde ich von meiner temporären Unterkunft in den Dorms in meine längerfristig-temporäre, zu Rick’s, ziehen. Und, oh ja, klein ist die Welt: Als wir nach meiner Ankunft noch des Durstes wegen schnell in eine random-bar ein Bier trinken gingen, saßen da doch glatt Rick, Justin, Chris und Nicole zu Tisch. Zufällig, gleiche Bar, gleiche Zeit (Sonntag Abend!). Ich: “Man, Omaha’s really small.” Justin: “Well yes, but usually not THAT small.”

Als ich letztes Jahr hier landete, roch es stark nach Neuem, nach Abenteuer. Jetzt irgendwie mehr nach ‘zu Hause’.  Good times coming up!

Mach dich auf.

Monday, April 5th, 2010 | study, travel | No Comments

Wiedermal. In die Staaten. Achherrje …

Hilft alles nichts, Visum im Sack, nächsten Sonntag geht’s los. Dies bedeutet natürlich gleichzeitig eine erfrischende Wiederbelebung meines geliebten Blogs hier (wenn man zu Hause ist, ist Blog schreiben doch wirklich was für Spacken [welch Wort!]).

Und natürlich freue ich mich wieder auf zahlreiche, von Neid durchsetzte Kommentare.

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